Wer eine Haartransplantation hinter sich hat, bekommt von der Klinik meist eine Empfehlung zur Nachsorge mit – häufig mit dem Hinweis auf PRP. Was dabei selten gesagt wird: diese Nachbehandlung lässt sich ortsunabhängig durchführen. Auch dann, wenn der Eingriff in Istanbul, Budapest oder anderswo stattgefunden hat. Dieser Beitrag erklärt, was PRP in dieser Phase unterstützen kann – und was nicht.
Warum nach einer Transplantation überhaupt nachbehandelt wird
Der Eingriff selbst ist nur der erste Teil. In den Wochen danach entscheidet sich, wie gut die verpflanzten Haarwurzeln anwachsen, denn sie müssen erst wieder an die Blutversorgung der Kopfhaut angebunden werden.
- Die transplantierten Grafts befinden sich in einer Einheilungsphase, in der die Durchblutung der Kopfhaut eine Rolle spielt.
- Ein vorübergehendes Ausfallen von transplantierten und umliegenden Haaren ist in dieser Zeit bekannt. Es ist nicht gleichbedeutend mit einem Misserfolg, verunsichert aber viele.
- Die Spenderregion am Hinterkopf wurde ebenfalls operiert und wird in der Nachsorge oft vergessen.
- Das nicht transplantierte Haar unterliegt weiterhin der erblich bedingten Ausdünnung. Eine Transplantation hält diesen Prozess nicht auf.
Was PRP in dieser Phase macht
PRP steht für plättchenreiches Plasma. Aus einer kleinen Menge Ihres eigenen Blutes wird durch Zentrifugieren der Anteil gewonnen, der besonders reich an Blutplättchen und Wachstumsfaktoren ist. Dieses Plasma wird mit feinen Nadeln in die Kopfhaut eingebracht, in die Ebene der Haarwurzeln.
Es handelt sich um körpereigenes Material. Es wird kein Fremdstoff injiziert, allergische Reaktionen auf das Präparat selbst sind daher praktisch ausgeschlossen. Ziel der Behandlung ist, die Regeneration und die Durchblutung im Bereich der Haarwurzeln zu unterstützen.
Was die Studienlage zeigt – und was sie nicht zeigt
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 hat drei kontrollierte Studien mit insgesamt 217 Patientinnen und Patienten zusammengefasst. In diesen Studien war PRP als begleitende Behandlung zur Haartransplantation mit einer besseren Haardichte, einem besseren Überleben der Follikel und einem früheren Beginn des Haarwachstums verbunden.
Diese Zahlen sind ehrlich einzuordnen. Die Aufbereitung des Plasmas und die Behandlungsprotokolle unterschieden sich zwischen den Studien erheblich, standardisierte Messverfahren kamen nicht zum Einsatz, und die Fallzahlen sind klein. Die Autorinnen und Autoren halten daher fest, dass PRP einen klinischen Nutzen haben kann, dieser aber in größeren und methodisch einheitlichen Studien erst bestätigt werden muss.
Für die Praxis heißt das: die Hinweise sind vielversprechend, ein Nachweis im strengen Sinn liegt nicht vor. PRP ist eine unterstützende Maßnahme – keine Garantie und kein Ersatz für eine fachgerecht durchgeführte Transplantation.
Ab wann nach dem Eingriff?
In der Regel etwa vier Wochen nach der Operation. Maßgeblich ist aber, was die transplantierende Klinik empfiehlt: manche Häuser arbeiten mit eigenen Zeitplänen, und diese haben Vorrang. Bringen Sie den Entlassungsbrief oder die schriftliche Nachsorgeempfehlung zum Beratungsgespräch mit, dann lässt sich der Zeitpunkt sauber abstimmen.
Wie viele Sitzungen
Üblich sind drei Sitzungen im Abstand von etwa vier Wochen – dasselbe Schema wie bei der PRP-Behandlung der Haut. Ob und in welchen Abständen danach aufgefrischt wird, entscheiden wir individuell und abhängig vom Verlauf.
Die Spenderregion gehört dazu
In der Nachsorge richtet sich die Aufmerksamkeit fast immer auf den Empfängerbereich, also die Stellen, an denen neues Haar wachsen soll. Die Spenderregion am Hinterkopf wird dabei leicht übersehen, obwohl auch dort operiert wurde und das verbleibende Haar für das Gesamtbild zählt. Die Kräftigung dieses Bereichs ist aus meiner Sicht ein sinnvoller Teil der Behandlung und wird mitgeplant.
Transplantation im Ausland, Nachsorge in Graz
Ein großer Teil der Eingriffe findet heute außerhalb Österreichs statt, vor allem aus Kostengründen. Was dabei regelmäßig wegfällt, ist die Begleitung danach: die Klinik ist weit weg, Rückfragen bleiben offen, die empfohlene Nachbehandlung findet nicht statt.
Diese Nachbehandlung ist nicht an den Ort des Eingriffs gebunden. Für die PRP-Nachsorge in meiner Ordination in Graz-Andritz brauche ich die Unterlagen der Klinik und ein Beratungsgespräch, in dem wir Ihren Heilungsverlauf und Ihre Vorgeschichte besprechen. Hinweis zur Klarstellung: Haartransplantationen führe ich nicht durch – ich übernehme die begleitende und nachsorgende Behandlung.
Was PRP nicht leistet
- Es ersetzt keine Haartransplantation und schafft kein Haar an Stellen, an denen keine Haarwurzeln vorhanden sind.
- Es hält den erblich bedingten Haarausfall nicht auf. Eine medikamentöse Therapie – wenn sie infrage kommt – gehört in fachärztliche Hand und wird gesondert besprochen.
- Es ist nicht für jede Person geeignet. Bei bestimmten Blutgerinnungsstörungen und Bluterkrankungen, akuten Infektionen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei einigen chronischen Erkrankungen kommt PRP nicht infrage. Wenn Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen, besprechen wir das Vorgehen individuell.
Häufige Fragen
Ab wann kann ich nach einer Haartransplantation mit PRP beginnen?
In der Regel etwa vier Wochen nach dem Eingriff. Vorrang hat immer die Empfehlung der Klinik, die transplantiert hat – manche Häuser geben eigene Zeitpläne vor. Bringen Sie die Nachsorgeempfehlung zum Beratungsgespräch mit.
Muss die Haartransplantation in Österreich durchgeführt worden sein?
Nein. Viele Patientinnen und Patienten lassen den Eingriff im Ausland durchführen und stehen danach ohne Nachsorge da. Für die PRP-Nachbehandlung ist nur wichtig, dass die Unterlagen der Klinik vorliegen und wir im Vorgespräch klären, wo Sie im Heilungsverlauf stehen.
Verbessert PRP das Anwachsen der transplantierten Haare?
Die vorliegenden Studien deuten in diese Richtung, die Aussagekraft ist aber begrenzt. PRP ist eine unterstützende Maßnahme und kein garantierter Erfolgsfaktor. Mehr dazu im Abschnitt zur Studienlage.
Wie viele Sitzungen sind üblich?
Meist drei Sitzungen im Abstand von etwa vier Wochen. Ob und wann aufgefrischt wird, entscheiden wir danach individuell.
Ist der Haarausfall in den Wochen nach der Operation normal?
Ein vorübergehendes Ausfallen transplantierter und umliegender Haare ist ein bekanntes Phänomen nach dem Eingriff und kein Zeichen dafür, dass die Transplantation nicht funktioniert hat. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie es ärztlich beurteilen.
Was kostet die PRP-Behandlung der Kopfhaut?
€ 250,– pro Sitzung. Das vorangehende ärztliche Beratungsgespräch kostet € 70,–. Alle Preise finden Sie in der Preisliste.
Weiterführende Beiträge
- PRP / Plasma Lifting – Regeneration aus Eigenblut
- PRP-Behandlung in Graz – Ablauf und Kosten
- Nachsorge – was nach der Behandlung zählt
Quellenangaben
- Efficacy of Platelet-Rich Plasma as an Adjunct to Hair Transplantation: A Systematic Review. Cureus 2025, online: https://www.cureus.com/articles/421076-efficacy-of-platelet-rich-plasma-as-an-adjunct-to-hair-transplantation-a-systematic-review, abgerufen 21.10.2026.